Mai 15

 Das Album ist zwar bereits im Juli erschienen, aber dass das „Bankngschtanzl" vorzeitig „verjähren" würde, musste wohl niemand befürchten. Bereits vor der Krise wurden die irischen Banken mit Staatsgarantien von 400 Milliarden Euro provisorisch gerettet, dieser Tage erklärte der irische Finanzminister, es seien weitere 11,4 Milliarden zur Rettung der mittlerweile verstaatlichten Anglo Irish Bank benötigt. Kein Wunder, wenn da dem Betonmischmaschinenlastkraftwagenfahrer das Gimpfte aufgeht: „Toxic Bank" stand auf seinem Fahrzeug, mit dem er die Absperrung des irischen Parlaments zu durchbrechen versuchte.

„Und die Bankn, die krochn, und die Menedscha lochn", lässt das Trio Lepschi der Krise in klassischer Wiener Gemütslage (hoffnungslos, aber nicht ernst) ihren Lauf, nicht ohne das wortreich ausgemalte Finanzkatastrophenszenario mit einem Hohn zu begleiten, der weniger über die „Menedscha" als über die maroden Nationen ausgekübelt wird.

In einer ebenso spaßigen wie systematischen Suada wird kaum ein Ressentiment und Nationalklischee ausgelassen, da kommen „die Iren, die irren" noch vergleichsweise glimpflich davon, denn „Bei die schebign Estn schtehts aa ned zum Bestn / Und drunt in Italien wiads eng mit d Fressalien / Und die miesn Portgiesn schlittan schnuagrod in d Krisn / Und in Island die Isn schteckn tief in den Miesn / Und die windign Ungarn wean boid scho vahungarn" usw., usf.

Als erstaunlich krisenresistent hingegen erweist sich die gesungene Dialektdichtung, die von Kollegium Kalksburg, den Strottern, Oskar Aichinger, Bohatsch & Skrepek, Hannes Löschel, Ernst Molden, Walther Soyka und vielen anderen jenseits der Austropopperei fortgeführt wird.

Das Trio Lepschi reiht sich hier bruchlos ein und besteht aus drei Herren im besten Alter – Männern, die den Funken des Hallodritums noch zu zünden wissen, aber doch schon weise genug sind, um dem Witzelzwang zu entgehen und dem Ernst des Lebens seinen Tribut zu zollen.

Als Texter fungiert der Krimischriftsteller Stefan Slupetzky, der für „Lemmings Zorn" soeben mit dem von der Stadt Wien gestifteten, erstmals vergebenen Leo-Perutz-Preis ausgezeichnet wurde; als Komponisten, Instrumentalisten und Co-Sänger stehen ihm sein Bruder Tomas Slupetzky (g, viol) und der Jazzer Martin Zrost (g, cl, b-cl) zur Seite.

Die Arbeitsaufteilung ist klar und funktioniert prächtig: Stefan S. schreibt ziemlich viel Text (wenn die Herren das alles auswendig können: Respekt!), Arrangements und Instrumentalparts sind dafür umso zurückhaltender, aber auch umso eindringlicher ausgefallen (etwa auf dem brachialen Acapella-Stampfer „Schtean"); und wenn das improvisatorische Element beim Liveauftritt noch forciert wird, soll es uns nur recht sein.

Bös und brutal, gfeanzd und gspaßig, odraht und ordinär, zwider und zärtlich – all das Kolorit, das auf der breiten Palette Wiener Befindlichkeiten Platz hat, wird hier genutzt, den geneigten Hörer bei Laune zu halten. Ein Ausflug in die „Provinz", wo im süffigsten Austrenglish „Lindwurmfountain" auf „Plabutschmountain" gereimt wird, weitet den Horizont gen Westen.

Selbst die nicht unheikle Tradition des schwarzen Humors, in der man sich in der Nachfolge von H.C. Artmann, Gerhard Rühm, Ernst Kain und Co ja auch verheddern kann, meistert das Trio insofern souverän, als der Titelsong „Mit links" politisch und sexuell entschieden inkorrekt ist.

Was sich auch von der „Maid aus Wulkaprodersdorf" behaupten lässt. Allerdings fällt dieses sichtlich in der Tradition des Sprachartisten Heimo Wisser (1952–1998) stehende „Ortsnamenlied" weniger in die Kategorie „bös und brutal" als in die Abteilung „odraht und ordinär": „Sag mir, holde Maid aus Wulkaprodersdorf, / Wann ich endlich deine Wulka prodern dorf, / Dein Minihof, ich Kukmirn an von hint und vorn, / Vor lauter Rust wächst mein Stinatz mir gleich zum Horn."

 

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